"Hirn frisst Gier" oder "Gier frisst Hirn"?

(23.01.19) Haben Sie schon mal vom Forschungsgebiet Neurofinanz gehört? Psychologen, Hirnforscher und Verhaltensökonomen untersuchen dort, wie unser Gehirn mit Geld umgeht. Ihr Fazit: Es ist gar nicht dafür geschaffen, denn die Evolution hat es eigentlich zum Überleben im Hier und Jetzt hervorgebracht.

Das gilt vor allem bei weitreichenden Finanzentscheidungen: die Vernunft hat da selten das Sagen, viel häufiger werden sie emotional „aus dem Bauch heraus“ getroffen. Die Erklärung der Forscher: Verluste bereiten Schmerzen wie ein Wespenstich oder der Hammer auf dem Daumen. Daher ist die spontane Reaktion darauf nicht etwa Nachdenken, sondern „Kampf oder Flucht“, und zwar jetzt und sofort! Bei Gewinnen setzt der Verstand ebenfalls aus:

die sprechen unmittelbar die Emotionen im Belohnungs-zentrum an. Die Folge: wir wollen sie unbedingt haben, am besten jetzt und sofort!

Auch in Finanzfragen ist unser Gehirn also erst mal auf die Abwehr akuter Gefahr und auf sofortige Belohnung gepolt. Das erklärt, warum es insbesondere auf eine längerfristige Zukunft hin nur äußerst ungern anspringt. Zudem ist der Umgang mit Geld ein Spiegelbild der Seele: Wer zur Überheblichkeit neigt  geht Risiken ein, über die er sich gar nicht bewusst ist.

Die Forscher haben aber auch eine gute Nachricht: das Gehirn ist veränderbar. Man kann gezielt üben, seine Impulse zu kontrollieren. Triebhaftes „Gier frisst Hirn“ wird so zu vernunftgesteuertem „Hirn frisst Gier“.

Davon abgesehen hat viele ganz einfach das Leben gelehrt, wie man vernünftige Entscheidungen trifft: nicht gleich dem ersten Bauchimpuls folgen. Überschlafen. Sachinformationen beschaffen. Den Rat unabhängiger Experten suchen. Nebeneffekte und langfristige Folgen bedenken. Nachdenken und Abwägen. Dann erst entscheiden. Ein probates Mittel gegen die Verführer, die mit gezieltem Ansprechen unserer Jetzt-und-sofort!-Impulse, sprich mit angedrohten Verlust-Schmerzen und vorgegaukelten Gewinn-Belohnungen, auf Dummenfang gehen wollen. Nicht nur in der Finanzwelt, sondern auch in der Politik...

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